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THEMA: Bildung und Schulen
26.09.2008
Frage von Name des Fragestellers Name des Fragestellers
sehr geehrte Frau Kreutz,

ich wurd von Ihrem geschätzten Kollegen, Herrn Dr. Eder, mit einer Frage zu Waldorfschulen an Sie verwiesen:
die grünen setzen sich sehr für die förderung alternativer schulformen ein. wie ist hier etwa der standpunkt zu den steiner-schulen ? sollen diese zuschüsse aus öffentlicher hand erhalten, auch wenn sie ein schulkonzept pflegen, das allen modernen erkenntnissen der pädagogik zuwider läuft, und, milde gesagt, seltsame esoterische ideen des gründers der anthroposophie, rudolf steiner, im vordergrund stehen ? gilt also bei den grünen das gieskannenprinzip bezüglich der förderung von privatschulen oder wird genauer differenziert ?

in erwartung Ihrer geschätzten Antwort,
Vorname des Fragestellers Vorname des Fragestellers

27.09.2008
Antwort von Monika Kreutz

Monika Kreutz
Sehr geehrter Herr Vorname des Fragestellers,

es ist richtig, dass die Grünen sich für die Förderung von Alternativschulen bzw. korrekt von Schulen in freier Trägerschaft im gleichen Ausmaß wie für konfessionelle Privatschulen einsetzen, weil es nicht sein kann, dass die verfassungsrechtliche Gleichbehandlung ungeachtet der Religion oder Weltanschauung (BV Artikel 7) auf Grund des Konkordats bei Privatschulen verletzt wird. Sinn dieser Gleichbehandlung muss in weiterer Folge auch sein, dass jedes Kind bzw. dessen Eltern, unabhängig vom Einkommen der Familie das Recht auf freie Bildungswahl hat.
Allerdings müssen in weiterer Folge ALLE Schulen, gleich ob privat oder öffentlich, ihre jeweiligen Qualitätsstandards erfüllen und diese auch evaluiert werden.
Das Konzept der Steiner Schulen steht mir nicht zu zu beurteilen, ich kann nur sagen, dass ich mich bei der Auswahl der Schulen für meine Töchter auch mit der Lehre Rudolf Steiners auseinandergesetzt habe, und diese nicht für mich in Frage kam. Aber ich muss auch sagen, dass manche Konzepte bzw. Schwerpunkte und deren Umsetzung an öffentlichen Schulen mich nicht überzeugen konnten und mir althergebracht schienen. Letztendlich halte ich es aber für wichtig, dass Eltern und Kinder die freie Wahl haben, sich für ein pädagogisches Konzept zu entscheiden. Um aber tatsächlich gerechte Bildungschancen für alle Kinder zu gewährleisten müssen Qualitätsstandards eingehalten werden, die nicht nur die üblichen Bildungsstandards in den bekannten Fächern enthalten, sondern auch soziale Kompetenz, Teamfähigkeit etc. einbeziehen.
Bezüglich des Vorwurfes der "seltsamen esoterischen Ideen" möchte ich Ihnen sagen, dass ich, wie mein Kollege Eder, für einen sekularen Staat eintrete der auch zur Folge hätte, dass Religion in der Schule nichts verloren hat. Ich möchte (im Gegensatz zu Hrn Eder;-)) aber auch keinen Ersatzunterricht für meine Kinder sondern erwarte maximal im Rahmen des Geschichteunterrichts auch Inhalte zur Religionsgeschichte. Die Argumentation für die Beibehaltung des Faches Religion oder Ethik entsteht aus der Angst, dass fundamentaler Unterricht dadurch ohne die Überprüfung des Staates geschehen könne- das geschieht aber bereits jetzt schon und wird auf diese Weise nicht zu verhindern sein. Hingegen halte ich es für wesentlich, im Bereich Kommunikation und Konfliktlösungsstrategien Angebote zu erarbeiten, da dies zur Verminderung von Gewalt, Vereinsamung und Isolation beitragen kann.
Zusammenfassend soll jedes Kind dem Staat gleich viel Wert sein und die Wahlmöglichkeit haben, aber es müssen in den Schulen Qualitätsstandards eingehalten und überprüft werden.

Mit lieben Grüßen
Momo Kreutz
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THEMA: Bildung und Schulen
24.09.2008
Frage von Name des Fragestellers Name des Fragestellers
Liebe frau Kreutz:
warum ist es (scheinbar ?) so sehr aus der welt ,die multisprachlichkeit und -kulturalität der schulkolleginnen meines 12-jährigen sohnes (polnisch, kroatisch, serbisch, türkisch..) als besondere fähigkeit und potential für die ganze klasse wahrzunehmen und zu nutzen anstatt sie als hemmschuh oder angeblichen grund für ein schlechteres(?) deutsch oder schlechtere soziale anpassungsfähigkeit zu sehen...???

mit freundlichen grüßen

Vorname des Fragestellers Jäger

25.09.2008
Antwort von Monika Kreutz

Monika Kreutz
Sehr geehrte Frau Jäger,

Sie sprechen mir aus der Seele! Es muss ein Umdenken stattfinden- weg von Angst vor Fremden hin zu einer Öffnung. Wir leben in einem Europa, das vielsprachig und multikulturell ist. Das Erlernen von Fremdsprachen wird zunehmend wichtiger, und gerade die Sprachen unserer Nachbarländer sollten beherrscht werden, um einen Austausch zu ermöglichen. Wir wissen,dass Kinder, die sich in ihrer Muttersprache gut ausdrücken können und den Erstunterricht in dieser erleben, beim weiteren Bildungsweg auch in Deutsch nicht mehr Probleme haben, als andere Kinder auch. Deshalb muss muttersprachlicher Unterricht angeboten werden. Um aber auch den österreichischen Kindern eine Wahlfreiheit bei Fremdsprachen zu ermöglichen,sollten auch slawische, oghusische oder andere Sprachen angeboten werden, also v.a. die von Ihnen genannten Sprachen.
Dies würde die Kommunikation der Kinder untereinander verbessern, einander Multikulturalität öffen und in späterer Folge auch beruflich den Arbeitsmarkt für alle in einem weltoffenen Europa erweitern.

Mit lieben Grüßen

Momo Kreutz
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THEMA: Bildung und Schulen
24.09.2008
Frage von Name des Fragestellers Name des Fragestellers
Liebe Frau Kreutz,

bez. eines gemeinsamen schulkonzeptes der bis 15 jährigen frage ich mich, wie auf die individuellen begabungen bzw. schwächen der schüler/innen positiv eingewirkt werden soll? mir erscheint dies vorrangig als integrationsmodell (wertfrei) aber nicht als unterstützung des individuellen kindes. schülerzahl pro klasse zu reduzieren ist sicherlich positiv zu bewerten, wie genau werden aber über- oder unterbegabte kinder behandelt? wie viele lehrer pro klasse und unterrichtseinheit sind vorgesehen?
warum ist universitäre ausbildung für pädagogen so wichtig - sollten diese nicht einmal selbst aus der verschulung rauskommen? universitäre ausbildung inkludiert ja heutzutage noch nicht soziale kompetenz, die im umgang mit kindern wesentlich ist. welche maßnahmen wollen sie gegen eine nivellierung nach unten setzen bzw. zur förderung individueller begabungen oder schwächen anbieten?
die bandbreite der intellektualität aber auch begabung der 10 bis 15 jährigen ist wirklich groß. führen sie das auf das derzeitige schulsystem zurück, oder könnte es sein, dass die jugendlichen sich einfach individuell entwickeln und man darauf mehr (also noch mehr als bis jetzt) rücksicht nehmen sollte - wie geht das mit dem konzept der gesamtschule?

ich freue mich auf ihre antwort!

liebe grüße

Vorname des Fragestellers Vorname des Fragestellers
24.09.2008
Antwort von Monika Kreutz

Monika Kreutz
Sehr geehrte Frau Vorname des Fragestellers,

danke für die vielen Fragen! Sie sprechen genau die Punkte an, die bei den Menschen Verunsicherung hervorrufen.
In der Grünen gemeinsamen Schule soll allen SchülerInnen unter Einsatz von Methodenvielfalt und individueller Förderung der Abschluss der Primar- und Sekundarstufe ermöglicht werden. Individuelle Förderung bedeutet, dass ich die Strukturen schaffe, um Lerndefizite nachzuholen, aber auch Zusatzangebote bereitstelle, um die Begabungen von SchülerInnen zu fördern. Im Grünen Modell werden die Kinder nicht in Jahrgangsklassen aufgeteilt sondern in altersheterogene Lerngruppen (getrennt in Primar- und Sekundarbereich) wo die Kinder miteinander und voneinander lernen können und wodurch die Kinder auch im Laufe der Jahre soziale Kompetenz, Teamfähigkeit und Flexibilität für Neues erwerben. Der Lehrplan sollte aus ca. 50% Kernstoff und 50% individueller Inhalte bestehen, um den Wissensdrang und die perönlichen Interessen zu fördern. Im Kernstoff sind die Bildungsstandards enthalten, die jedEr erwerben soll, aber wir wissen alle, dass es und leichter fällt Schwierigkeiten zu meistern, wenn diese inhaltlich mit unseren Interessen und unserem Engagement verbunden sind. Der Abschluss der Sekundarstufe I (entspr. der Pflichtschule) soll zwischen 14 und 16 erfolgen, je nach Begabung und Förderbedarf.
Die Unterrichtseinheiten von 50´ sollten aufgelöst werden, Blockeinheiten mit individueller Pauseneinteilung eingeführt werden. Auch in der Arbeitswelt arbeiten wir nicht in Kurzeinheiten, sondern beschäftigen uns längere Zeit mit einem Thema und wollen dies konzentriert mit unseren Pausen beenden. Das führt auch gleich zum nächsten Bereich: Ziel soll es sein die Kinder zum selbstständigen Arbeiten zu bringen. Die Aufgabe der Lehrer muss es sein, Kernkompetenzen zu vermitteln und Inputs zu liefern,um die Schülerinnen zur Selbstständigkeit zu führen. Mit unterschiedlichen Methoden wie fächerübergreifenden Unterricht, Projektarbeit oder vorbereiteter Umgebung soll der Wissenserwerb und Bildung schmackhaft gemacht werden. Zur LehrerInnenanzahl pro Klasse/Lerngruppe: derzeit ist es so, dass im Primarbereich 14,5 Kinder pro LehrerIn, in der Sekundarstufe I 10 Kinder pro LehrerIn gerechnet werden. Diese Zahlen wären da Ziel,wenn sie in jeder Lerngruppe so wären! Tatsache ist, dass in diesen Zahlen auch alle VerwaltungsbeamtInnen der Schulverwaltung enthalten sind, deshalb gilt es auch den Verwaltungsapparat zu reformieren, damit wir diese Zahlen im Schulalltag haben.
Wo ich Ihnen unbedingt recht gebe ist, dass eine universitäre Ausbildung kein Garant für soziale Kompetenz ist, und dass Menschen, die LehrerInnen werden wollen, zuerst mal einige Jahre einen anderen Beruf ausüben sollten, ehe sie wieder ins Schulsystem eintreten. Was ich aber unbedingt vertrete ist, dass die Ausbildung aller PädagogInnen an einer gemeinsamen Bildungsstätte erfolgen soll, von der KindergartenpädagogIn bis zu den LehrerInnen im Sekundarstufe II Bereich. Auch hier soll es nicht zu einer Nivellierung führen, deshalb der Vorschlag einer Universität. Hier geht es um Anerkennung und Gleichwertigkeit. Eine KindergärtnerIn und einE AHS LehrerIn legen Grundsteine für das weitere Leben, und da müssen alle eine hochwertige Ausbildung erhalten, die ihnen das pädagogische und das Fachwissen vermittelt. Dass es nicht unbedingt nur auf die Universitätsausbildung ankommt zeigt sich auch an den vielen PädagogInnen im Alternativschulbereich, die teilweise aus ganz anderen Berufssparten kommen, Zusatzausbildungen und -qualifikationen erhalten haben und ausgezeichnete PädagogInnen sind ohne entsprechenden Abschluss. Für diese Menschen wäre es zum Beispiel möglich durch Anerkennung alternativer Unterrichtsmethoden und deren Abschluss die Gleichwertigkeit herzustellen.
Zu Ihrer Frage zur Entwicklung der Jugendlichen: ich führe die Bandbreite nicht auf das Schulsystem zurück, da dies nur ein Bereich im Leben eines jungen Menschen ist. Heutzutage haben Jugendliche viel mehr Möglichkeiten durch die neuen Technologien an Wissen und Informationen heranzukommen als noch vor 20 Jahren. Sie werden durch die Schnelllebigkeit der heutigen Zeit viel früher mit Themen konfrontiert und setzen sich damit auseinander. Aber genau deshalb muss sich auch im Unterricht etwas ändern und Lehrpläne wie gesagt viel flexibler gestaltet werden, um Jugendliche dort abzuholen wo sie stehen.

Mit lieben Grüßen

Momo Kreutz
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