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THEMA: Soziales
09.05.2009
Frage von Name des Fragestellers Name des Fragestellers
Sehr geehrter Herr Dr. Strasser,
laut Statistik Austria werden im Jahr 2050 rund doppelt so viele Österreicherinnen und Österreicher über 60 Jahre alt sein wie heute, die Zahl der Unter-60-Jährigen wird jedoch im selben Zeitraum um etwa ein Achtel abnehmen (in absoluten Zahlen).
Man muss weder ein Rechengenie sein noch über eine ausgeprägte Phantasie verfügen um sich vorstellen zu können, wie gewaltig die Veränderungen sind, die unserer Gesellschaft bevorstehen. Auch die sozialen Sicherungssysteme von heute werden unter dem Gesichtspunkt der Generationengerechtigkeit in 40 Jahren völlig anders ausgestaltet sein müssen. Ob eine Kranken- oder Pensionsversicherung wie wir sie heute kennen dann überhaupt noch finanzierbar ist, ist mehr als fraglich.
Für Europas größte und wichtigste Volkswirtschaft (Deutschland) errechnete das Statistische Bundesamt noch wesentlich dramatischere Prognosen: 2050 werden in der Bundesrepublik Deutschland auf Grund der geringen Geburtenzahlen rund 14 Millionen weniger Menschen leben als heute. 40,4 % der Deutschen werden 2050 über 60 Jahre alt sein (heute sind es 24,9%).
Mit Ausnahme von Irland stehen meines Wissens nach alle Mitgliedsstaaten der EU vor solch einem „demographischen Wandel“. Liegt es daher nicht nahe, sich diesem gewaltigen Problem auch auf europäischer Ebene zu stellen?
Meine Frage an Sie lautet deshalb: Was können Sie schon in der kommenden Legislaturperiode auf europäischer Ebene in die Wege leiten um den ÖsterreicherInnen und EuropäerInnen von 2050 sozial gerechte, generationengerechte und finanzierbare Sozialsysteme zu ermöglichen? Bitte schildern Sie unter Berücksichtigung des Faktors „demographischer Wandel“ kurz Ihre realistische Vision von den sozialen Sicherungssystemen in einem Europa von 2050. Ich persönlich frage mich ganz ehrlich: wie soll das nur gehen?
Ich bitte Sie um eine aufrichtige und realistische Antwort.
12.05.2009
Antwort von Ernst Strasser

Ernst Strasser
Sehr geehrter Herr Vorname des Fragestellers,

danke für Ihre E-Mail, die ich gerne beantworte. Erfreulicherweise leben wir alle immer länger. Das ist bei allen Herausforderungen, die es birgt, ja in aller erster Linie etwas Positives. Die durchschnittliche Lebenserwartung ist in den letzten 30 Jahren um über 8 Jahre gestiegen. Das ist einerseits auf den rasanten medizinischen Fortschritt zurückzuführen, andererseits darauf, dass gerade in Europa die Lebensqualität hoch ist, die Gesundheitssysteme funktionieren und der Wohlstand gesichert ist. Gleichzeitig werden aber auch immer weniger Kinder geboren, was natürlich zu einer Überalterung der Gesellschaft führt.

Österreich hat in den letzten Jahren zwei große Weichenstellungen vorgenommen und damit wollen wir auch beispielgebend für andere Staaten sein: Die Pensionssicherungsreform, die in meinen Augen nicht nur notwendig, sondern richtig und sinnvoll war, gerade um den Generationenvertrag auch in Zukunft zu gewährleisten, den Verbleib im Erwerbsleben zu verbessern und das Pensionssystem darauf vorzubereiten, dass immer mehr Empfänger weniger Einzahlern gegenüberstehen. Und wir haben in Österreich eine sehr engagierte Familienpolitik: Die Stärkung der Familien ist das Um und Auf, um den jungen Menschen die notwendige Sicherheit zu geben, die sie brauchen, um sich für Kinder zu entscheiden. Österreich ist durch das flexible Kinderbetreuungsgeld für alle, durch die gestaffelte Familienbeihilfe, durch die neue 13. Familienbeihilfe, die Unterstützungen für Mehrkind-Familien oder auch durch die pensionsbegründende Anrechnung der Kindererziehungszeiten und die gerade wirksame Steuerentlastung 2009 zu einem der familienfreundlichsten Länder Europas geworden. Diese Vorreiter- und Vorbildrolle gilt es, in Europa verantwortungsvoll einzubringen. Und dafür werde ich mich mit ganzer Kraft engagieren.

Auch bei 27 unterschiedlichen Sozialsystemen Europas gilt es, sich gemeinsam mit nachhaltiger Politik auseinanderzusetzen, damit Europa Raum für Zusammenleben auf Basis von Solidarität und Gerechtigkeit bieten kann. Ich bin daher dafür, dass so wie im österreichischen Modell der Sozialpartnerschaft Senioren- und Jugendorganisationen auf europäischer Ebene vermehrt eingebunden werden, um wichtige Themen und Anliegen auf Generationenverträglichkeit zu prüfen. ZB könnte ein eigener Ausschuss für Generationenangelegenheiten im Europaparlament eingerichtet werden. Auch will ich mich stark machen für das Modell der ökosozialen Marktwirtschaft auf Europaebene. Ein nachhaltiges Europa ist attraktiv für alle Generationen.

Danke nochmals für Ihr Interesse an der gemeinsamen Idee Europa!
Mit freundlichen Grüßen

Ernst Strasser
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