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Es sind 3 Fragen vorhanden:

THEMA: Wissenschaft und Universitäten
22.05.2011
Frage von Name des Fragestellers Name des Fragestellers
Sehr geehrte Frau Gruber,

in Beantwortung einer Frage teilen Sie am 11.5. mit, dass der VSStÖ eine Grundsicherung für Studenten von 800€ fordert. (siehe dazuhttp://www.meinparlament.at...che%20Grundsicherung ). Dazu drängen sich aber doch gleich einige Fragen auf:

Wie lauten Ihre Vorschläge zur Finanzierung einer solchen Forderung angesichts leerer Kassen allerortens - insbesondere an den Hochschulen (aus der von Ihnen angegebenen Webseite ist lediglich »vom Staat« zu entnehmen)?

Sind Sie bzw. der VSStÖ nicht der Meinung, zusätzliches Geld wäre wesentlich besser in akademisches Personal investiert, um die Betreuungssituation zu verbessern, als in nicht gerade leistungsfördernde Gießkannenalimentationen (die das Betreuungsverhältnis noch weiter verschlechtern dürfte)?

Sie schreiben »die mit wohlhabenden Eltern haben einen Rechtsanspruch auf deren Geld«, was offen gesagt sogar als etwas gehässige Attacke gegen das funktionierende Konzept Familie verstanden werden könnte: uns jedenfalls sind keine Eltern bekannt, die ihre Kinder bei der Finanzierung des Studiums nicht nach Kräften zur Seite stehen würden! Welche Einwände haben Sie also gegen eine Eigenfinanzierung eines Studiums durch Studenten selbst?

Wie beurteilen Kollegen mit wirtschaftlicher Ausbildung Ihren Vorschlag?

Bereits vorab vielen Dank für Ihre geschätzten Antworten,

mit freundlichen Grüßen

Vorname des Fragestellers Vorname des Fragestellers
Bürgerinitiative Österreich
Verein zur Demokratieentwicklung
(Obmann)
ZVR: 03646320
26.05.2011
Antwort von Angelika Gruber

Angelika Gruber
Sehr geehrter Herr Vorname des Fragestellers Vorname des Fragestellers!

Vielen Dank für Ihre Anfrage.

Der VSStÖ tritt stark für die Einführung vermögensbezogener Steuern ein. Gleichzeitig braucht es auch den klaren Willen zur finanziellen Absicherung von Menschen in Ausbildung und zur Ausfinanzierung des Hochschulsektors, seitens der Politik. Bei der Budgeterstellung muss es klare Prioritätensetzungen geben. Das Geld ist da, wie das Bankenrettungspaket gezeigt hat, wo dann plötzlich über Nacht Milliarden dafür locker gemacht werden konnten.

Bildung ist für uns ein öffentliches Gut, und der Staat hat dafür Sorge zu tragen, dass Bildung für alle zugänglich ist, unabhängig vom Einkommen. Über 60 % der Studierenden müssen neben dem Studium arbeiten um sich ihr Leben überhaupt leisten zu könnten. Das bedeutet für jene, deren Eltern das Studium ihrer Kinder nicht einfach so bezahlen können, einen massiven Nachteil gegenüber jenen die keine finanziellen Sorgen haben. Studierende die arbeiten müssen, brauchen länger für ihr Studium und laufen dadurch auch noch Gefahr wichtige Beihilfen zu verlieren.

Selbstverständlich sind wir der Meinung, dass es mehr finanzielle Mittel zur Verbesserung der katastrophalen Betreuungsverhältnissen an den Hochschulen geben muss. Die schlechten Studienbedingungen sind auf die chronische Unterfinanzierung des Hochschulsektors zurückzuführen. Die Universitätenkonferenz gibt selbst an, dass sie 300 Millionen Euro brauchen um den Status Quo überhaupt Aufrecht erhalten zu können. Da ist noch lange keine Rede von lange notwendigen Verbesserungen. Der VSStÖ fordert 2% des BIP für Bildung in Österreich.

Die Unterhaltspflicht der Eltern ist gesetzlich geregelt. Viele Eltern können oder wollen diesen nicht leisten. Das ist keine „gehässige Attacke gegen das funktionierende Konzept Familie“, das ist schlicht und einfach Tatsache. In unserer langjährigen Beratungserfahrung im Sozialreferat in der ÖH-Bundesvertretung kommt es sehr wohl zu zahlreichen Fällen, in denen Eltern bzw. Elternteile den Unterhalt nicht leisten wollen. Die eigenen Eltern auf Unterhalt zu verklagen, ist aber, zu recht, für viele Studierenden nur schwer vorstellbar. Daher braucht es eine Reformierung der Unterhaltsregelung, damit Studierende nicht finanziell durch die Finger schauen. Außerdem wollen wir uns in der ÖH dafür einsetzen, dass es, statt der Gerichtsverfahren, eine Schlichtungsstelle gibt, um sich zumindest Prozess- und Anwält_innenkosten zu sparen. Die Stipendienstelle soll außerdem während des Prozesses die Auszahlung des festgelegten Unterhalts vorschießen (eine ähnliche Regelung gibt es bereits für Minderjährige).

Des Weiteren will der VSStÖ erreichen, dass alle Studierenden bei der Inskription automatisch einen Antrag auf Studienbeihilfe stellen. Das bringt zwei Vorteile: Einerseits stellen bisher weniger Studierende einen Antrag auf Studienbeihilfe, als tatsächlich Anspruch hätten. Auf der anderen Seite erfahren die Studierenden so, wie viel Unterhalt deine Eltern gesetzlich leisten müssten, und bist so bei familieninternen Debatten besser gewappnet.

Ich hoffe ich konnte Ihre Fragen ausreichend beantworten.

Mit freundlichen Grüßen,
Angelika Gruber
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THEMA: Wissenschaft und Universitäten
19.05.2011
Frage von Name des Fragestellers Name des Fragestellers
hallo angelika

du hast heute im standard.at chat kurz die probleme des bachelor/master system angesprochen. welche vorschläge habt ihr dazu und wie sieht das vsstö orientierungsphasenmodell aus?

danke und alles gute
Vorname des Fragestellers
20.05.2011
Antwort von Angelika Gruber

Angelika Gruber
hallo Vorname des Fragestellers,

Danke für deine Frage! Im Chat war es dann doch schwer, alles detailiert zu beantworten ;)

Die Bachelor/ Masterproblematik ist sehr vielseitig. Sehr viele Probleme entstehen vorallem durch die schlechte Umsetzung:

• (verschulte) Studienpläne: Viele Bachelorstudienpläne sind einfach nicht "studierbar", weil einfach Diplomstudienpläne hergenommen wurden und versucht wurde diese in das Bachelorsystem reinzupressen. Sehr oft wurden einfach die Wahlfächer rausgestrichen- was für uns Studierende natürlich bedauernswert ist. Es bleibt kaum die Möglichkeit, sich kritisch mit den Lehrinhalten zu beschäftigen oder mal über den Tellerrand hinaus zu schauen und Lehrinhalte aus anderen Perspektiven zu diskutieren. Ich glaube gerade auf dieser Ebene ist es wichtig Studienpläne völlig neu zu gestalten. Wichtig ist, dass diese mit der Beteiligung von Studierenden ist. (Anmerkung: dazu braucht es eine Demokratisierung der Hochschulen, um vor allem die studentische Mitbestimmung zu stärken!)

• soziale Lage: das Beihilfensystem wurde nie an die Bachelor-Masterstruktur angepasst, zusätzlich wurde gerade die Familienbeihilfe gekürzt. Deshalb fordert der VSStÖ:

>> StudFG an die Realität der Universitäten anpassen: Die Autonomie der Universitäten und das Bologna-System haben zu einem Auseinanderdriften des Studienförderungsgesetzes und der Studienrealität geführt. So kann es beispielsweise vorkommen, dass ein im Ausland erworbener Masterabschluss zwar nicht automatisch zur Studienberechtigung in Österreich führt, da das Universitätsgesetz dafür ein dreijähriges Studium vorsieht und daher eine Studienberechtigungsprüfung fordert; für diese Studienberechtigungsprüfung aber kein Anspruch auf Studienbeihilfe besteht, da das Studienförderungsgesetz den im Ausland erworbenen Masterabschluss als abgeschlossenes Studium anerkennt. Das Studienförderungsgesetz soll bzgl. seiner Begrifflichkeiten und Definitionen an das Universitätsgesetz sowie diverse europäische Rechtsakte (z.B. Lissabon-Abkommen) angepasst werden.

>> Beihilfen Unabhängig vom Alter ausbezahlen: Die Familienbeihilfe und alle damit verbundenen Absetzbeträge sollen in Zukunft direkt an Studierende ausbezahlt werden (=250 Euro Grundsicherung). Studierende sollen diese Grundsicherung unabhängig vom Alter, orientiert an der durchschnittlichen Studiendauer erhalten! Auch die Studienbeihilfe soll
sich nicht am Alter sondern an der durchschnittlichen Studiendauer orientieren.

>> Verlängerung der Anspruchsdauer : Wird in Bachelor- (aber auch anderen) Studien ein Prüfungstermin versäumt (z.B. durch kurzfristige Krankheit) oder eine Beurteilung durch die Lehrveranstaltungsleitung zu spät eingetragen oder der Besuch einer Pflichtlehrveranstaltung aus Platzgründen verwehrt, kommt es auf Grund der aktuellen Gestaltungen der meisten Curricula (zweisemestriger Rhythmus bei LV-Angeboten, Voraussetzungsketten, etc.) zu einer Studienzeitverzögerung von einem Jahr

>> Streichung der Übergangsfristen: Übergangsfristen (man muss mindestens 6 Monate nach Abschluss des Erststudiums ein weiterführendes beginnen, sonst verliert man für dieses den Anspruch auf Studienbeihilfe). Diese Regelung hindert Leute daran, zwischen Abschluss des Bachelor- und Beginn des Masterstudiums Berufserfahrung zu sammeln und sollte abgeschafft werden.

>> Stärkere Förderung internationaler Mobilität: Derzeit ist es möglich, durch die Studienbeihilfe Auslandssemester bzw. durch das Mobilitätsstipendium einen Studienabschluss im Ausland gefördert zu bekommen.
Keine Berücksichtigung finden hier diverse „Summer-Schools“ und ähnliches, da diese kürzer als ein Semester dauern. Im Studienplan vorgesehene Auslandssemester führen derzeit zu keiner Verlängerung der Anspruchsdauer. Auslandsaufenthalte jeder Dauer sind entsprechend zu fördern, wenn dort für das geförderte Studium anrechenbare ECTS-Punkte erworben wurden. Auch verpflichtende Auslandssemester sollen zu einer Verlängerung der Anspruchsdauer führen.

• Mastergarantie: Sehr viele Studierende planen nach dem Bachelor auch noch ein Masterstudium zu beginnen (über 80% laut Studierendensozialerhebung). Für den VSStÖ ist wichtig, dass alle Bachelorabsolvent_innen die Garantie auf einen Masterplatz haben! Die qualitativen Beschränkungen und mangelnde soziale Absicherung führt zu einem "zwei-Klassen-System", das nur einigen wenigen den Master ermöglicht. Wir fordern daher, dass der Masterzugang frei sein soll und das Masterangebot ausgebaut wird (aktuelles Beispiel: der Master internationale Entwicklung, der auf Grund von Finanzierungsproblemen, nicht angeboten werden soll).

Beim Orientierungsphasenmodell geht es uns um echte Orientierung und nicht um ein Knock- Out Semester, wie das die Regierung gerade beschlossen hat:
Sie setzt sich im wesentlichen aus 2 Phasen zusammen: Die erste Phase findet schon in der Schule statt. Dabei soll Studien- und Berufsberatung verpflichtend im Lehrplan vorgeschrieben ist. Denn sehr viele Maturant_innen wissen gar nicht über das Studienangebot bescheid. An der Hochschule sollen Studierende dann im ersten Semester aus mindestens 3 Studienrichtungen Vorlesungen wählen, erst nach diesem Orientierungssemester, entscheiden sich Studienanfänger_innen für ihre Studienrichtung. Details zum genauen Modell und Umsetzung findest du unter:http://home.vsstoe.at/inhal.../orientierungsphase/

Solltest du weitere Fragen haben oder es Unklarheiten geben, dann freue ich mich über weitere mails von dir!

alles Liebe,
Angi
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THEMA: Finanzen
11.05.2011
Frage von Name des Fragestellers Name des Fragestellers
Liebe Angelika!

Ihr schlagt ja eine Grundsicherung für Studenten vor. Wenn ich mich richtig erinnere beläuft sich der Betrag bei ca. 250 Euro.
Kann man bei diesem Betrag wirklich von einer Grundsicherung sprechen? Wer würde diesen Betrag bekommen - jeder Student?

LG Vorname des Fragestellers
11.05.2011
Antwort von Angelika Gruber

Angelika Gruber
hallo Vorname des Fragestellers,

danke für deine frage!

Genau, wir schlagen vor an alle Studierende (unabhängig vom Alter und Einkommen der Eltern) 250 Euro auszubezahlen- das ist quasi die Familienbeihilfe plus damit verbundene Absetzbeträge, die direkt an Studierende ausbezahlt werden soll! Wir fordern aber natürlich darüber hinaus, dass das Studienbeihilfensystem dringend ausgebaut werden soll- also in Zukunft sollen weit aus mehr Studierende Anspruch auf Studienbeihilfe haben. Außerdem muss die Höchststudienbeihilfe dringend auf mindestens 800 Euro angehoben werden, weil die liegt zur zeit sogar unter der Mindestsicherung und wurde schon seit Jahren nicht einmal Inflationsangepasst.

Das gute an dem Modell ist, dass es von heute auf morgen umsetzbar ist und akut vor allem die Kürzung der Familienbeihilfe ausgleicht- und das war uns in der Konzipierung wichtig; denn die Familienbeihilfe und Absetzbeträge gibt es ja bereits- und außerdem gibt es bereits im Parlament einen Entschließungsantrag, dass die Fam.beihilfe direkt an Studierende ausbezahlt werden soll... Und auch die Studienbeihilfe gibts schon- es geht darum diese auszubauen; darüber hinaus fordern wir eine Reformierung der Unterhaltspflicht- weil viele Eltern den Unterhalt finanziell gar nicht leisten können oder wollen. Wir fordern daher die Einrichtung einer Schlichtungsstelle- immerhin ein neutralerer Ort für Unterhaltsstreitigkeiten als vor Gericht das ganze auszutragen- und auch die Berechnung des Unterhalts muss reformiert werden (auch die ergibt, dass Eltern den Unterhalt gar nicht leisten können, weil zum Beispiel die Schulden und Rückzahlungen der Eltern nicht berücksichtigt werden)- also insgesamt soll allen Studierenden 800 Euro im Monat zur Verfügung stehen (250 Euro Grundsicherung + Studienbeihilfe + Unterhalt)

Langfristig fordern wir aber weiterin die Einführung eines Grundstipendium in der Höhe von 800 Euro, das an alle Studierende unabhängig vom Alter und Einkommen der Eltern an Studierende ausbezahlt wird- Details dazu unter http://www.grundstipendium.at - das ist eine langjährige Forderung von uns, und das werden wir auch weiterhin verfolgen!

Ich hoffe deine Frage ist damit beantwortet- freu mich aber natürlich auch weitere Fragen zu beantworten :))

alles liebe,
angi
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